Heiwercher

„Ball honn-se Bänner unn Heiwercher drinn,
Flubdich, dann mache-se Blume-e-ninn.“,

so beschreibt Rottmann die Hutmode der Frauen bei der Ohlweiler Kirchweihe. Damals muss es wohl auch Wetteifer um den schönsten Hut gegeben haben. Heiwercher wird in der Fußnote als „Häubchen“ erklärt. Wir können das so verstehen: Auf die Hüte kamen noch Bänder und Häubchen, und die wiederum haben die Frauen noch mit Blumen bestückt. Auf dem Unkricher (Nunkircher) Markt wurden „Heiwercher mit Blume drinn“ fertig zum Kauf angeboten. Rottmann kennt auch „Heibche“ als Verkleinerungsform für Hauwe, die Langform Heiwercher könnte dem Versmaß geschuldet sein. Die grammatisch logische Mehrzahlform wäre Heibcher. Rottmann hat sich wohl dichterische Freiheit genommen und eine Silbe eingefügt, mundartlich: er hot gefaudelt, damit das Versmaß stimmt. In der Alltagssprache des 20. Jahrhunderts findet sich das Wort überhaupt nicht. Hüte sind bei den Frauen aus der Mode gekommen. Und unter die Haube kommen Frauen bei uns ja auch schon lange nicht mehr. Heiwercher mit Blume drin müssen schön ausgesehen, das Auge erfreut haben. Rottmann auf die Schliche seines Dichterhandwerks zu kommen, hat auch einen ganz eigenen Reiz.

Josef Peil